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Wenn Tote reden könn(t)en

Edeltraud Rainer berichtet von ihren Jenseitskontakten, nicht zu irgendwem, sondern zu ihrem verstorbenen Bruder. Faszinierend zu sehen, wie stark Familienbande sein können. Zwei ihrer im Eigenverlag hergestellten Bücher wollen wir kurz vorstellen.

Das erste Buch, Mitteilung eines Bruders, schildert aus der Sicht von Wolfi, wie es zur Kontaktaufnahme kam. In einer bemerkenswert simplen, und doch emotional gut erfassbaren Sprache vermittelt die österreichische Autorin eine Geschichte, die sehr wohl wahr sein könnte. Ob sie es ist – das ist möglicherweise nicht einmal relevant, denn wahr ist das, was wir dafür halten. Wolfi hatte zwei Schwestern, und sein Leben endete 1987 gewaltsam im Sumpf von Drogen und Alkohol, wie man im Verlaufe der Geschichte erfährt. Die Story, das, was Wolfi seiner Schwester aufgibt, zu schreiben, ist nichts Spektakuläres, es verändert nicht die Welt vom Jenseits ins Hier und jetzt hinein. Aber zwischen den Zeilen spürt man große Emotionen, den Wunsch, zu leben, einen Versuch, Dinge ungeschehen zu machen. Etwas aus dem Reich der Toten bringt in der Autorin eine Saite zum Klingen, und die Niederschrift ist quasi als eine emotionale Partitur zu verstehen.

Eine Fortsetzung findet die Geschichte im zweiten Buch, ...wenn der Sandmann kommt..., hier konkretisiert Wolfi die Ereignisse um seinen Tod, die im ersten Buch inhaltstragende Gelassenheit weicht einer gewissen Form von Sarkasmus. Er schildert, wie zwei Personen ihn in seinem Auto verbrannten, einen Selbstmord vortäuschten. Wolfi wird vom Konsumenten zum Abhängigen, letztlich zum Dealer und stirbt im Strudel der Gewalt, die das „Geschäft“ mit sich bringt. In einer für Junkies etwas zu blümeranten Sprache erläutert er die tiefen Abgründe des Drogensumpfes, aber man sollte nicht vergessen, dass seine Worte nicht gesprochen, sondern in das Bewusstsein der Schwester manifestiert wurden, so dass wir wir hier wohl eher auf ihren Wortschatz treffen.

Alles in Allem schildert die Mittvierzigerin Edeltraud Rainer hier eine tragische Geschichte, die bewegend ist und den Leser mitnimmt auf eine Reise in ein unbekanntes Land. Die Geschichten zeichnen emotionale Bilder von einer Welt, in der ein junger Mann an den „hard games“ einer Zeit zugrunde geht, in der die großen Drogenschwemmen in Europa einsetzten, zumindest was harten Stoff angeht. Viele, die heute auf die 50 zugehen, haben diese Zeit erlebt, eine Zeit, in der das coole Weed Smoking abgelöst wurde durch teures Koks-Basen, billige Shore und seltsame chemische Verbindungen, die aus osteuropäischen und vorderasiatischen Laboren nach Europa schwappten. Wo vorher der chillige Altkiffer Gras und schwarzen Afghanen anbot, saßen auf einmal kurdische Koksdealer und afrikanische Shore-Pusher und drückten ihr Gift zu Kampfpreisen in den Markt. Wolfgang aus Klagenfurt ist einer von vielen gewesen, die diesem Druck nicht standgehalten haben und an der Drogenfront zerrieben wurden. Letztlich spielt es keine Rolle, ob die vorliegenden Texte wirklich aus der Anderswelt diktiert wurden, ob Edeltraud sie empathisch empfing oder sich die Erzählungen schlichtweg ausdachte. Die Inhalte der Stories sind authentisch. So oder so.

Edeltraud Rainer:

„Mitteilung eines Bruders“
- Eigenverlag 2. Auflage 2012,
ISBN 978-3-9503076-1-0

„... wenn der Sandmann kommt...“
- Eigenverlag 1. Auflage 2012,
ISBN 978-3-9503076-2-7

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