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Der Not leidende Buchhandel

Dieser Artikel befasst sich mit der gern postulierten Qualität des "ortsnahen" Buchhandels... ist da wirklich alles Gold, was glänzt? Wo sind denn all die engagierten Buchhändler?

Buchhandel

Gern ereifert man sich im Netz, den "Buchhändler vor Ort", quasi die friedvolle Oase des Fach-Buchhandels, zu preisen. Nicht selten tun das Leute, die auch gern mal ihren Tablet-PC im grauen Markt mit elektronisch verfügbarer Literaturware druckbetanken. Aus lauter Protest gegen die Verlage, die ja mit E-Books "eh nur absahnen", wird halt auch gern mal illegal gesaugt. Dass die Verlage "aus den Schädeldecken der Autoren Schampus saufen" -wie unlängst im Netz zu lesen war- ist eine Unterstellung, welche dreister kaum sein kann. Zur Veranschaulichung: Wenn ein Taschenbuch für VKP € 8,99 produziert wird, sieht das von Verlegerseite so aus (Kosten pro Buch, Erstauflage, geschätzt):

  • Lektorat, Korrektorat, Umschlaggestaltung Ø: € 1,00
  • Druck: ca. € 2,50
  • Tantiemen: € 1,00
  • Großhändlerrabatt: € 4,50
  • Verpackung & Versand Ø: € 0,50

Das bedeutet, in der Erstauflage VERLIERT der Verlag Geld, ab der zweiten Auflage (Wewegfall von Korrektorat, Lektorat & Litho) darf er dann genau so viel verdienen wie der Autor, bei vollem kaufmämnnischen Risiko. Rezensionsexemplare incl. Porto, Abschreibungern, Werbekosten, Verwaltungsaufwand sowie allgemeine Betriebskosten sind in dieser Aufstellung nicht einmal berücksichtigt.

Und dann sind da die Buchhändler. Gern präsentieren sie sich als Retter der Kultur, als Verteidiger des geordneten deutschen Einzelhandels "vor Ort", als das Licht in der Finsternis der dämonischen Konzernwelten. Erst unlängst machte bei Facebook diese Grafik die Runde:

buchhändler vor Ort

Die Botschaft ist ganz witzig formuliert, zielt natürlich auf "Big-A" und drückt die -berechtigte- Furcht der Buchhändler vor der Konzernkonkurrenz aus, denn die Amazon-Stores stehen auch in Deutschland kurz vor der flächendeckenden Realisierung. Der Buchhändler fühlt sich vom Konzern bedroht, obwohl er doch Fachberatung bietet (wirklich?), ortsnah logiert (ist das so?) und gute Literatur vorrätig hält (wenn sie Mainstream ist!). Der arme Buchhändler verdient ja auch fast gar nichts an einem Buch, er nagt quasi am Hungertuch, könnte man meinen. In der Realität verhält es sich oft jedoch so:

  • Buchhändler verlangen bis zu 45% Rabatt bei Verlagsbestellung
  • Kostenloser Versand wird erwartet
  • Volle Rücknahme selbst abgegriffener Bücher wird vorausgesetzt
  • Je zehn Exemplare wird ein sog. "Leseexemplar" gratis gefordert
  • bis zu 90 Tage Zahlungsziel oder zusätzliche Skontogewährung wird gefordert
  • Kostenlose Giveaways & Werbematerial wird gefordert

Ohnehin legen die "Vor-Ort-Buchhändler" meist nur Regionales, Ramschware oder die Topseller der Megaverlage auf die Tische, eigentlich unterscheiden sich die Buchläden nur wenig von der virtuellen Auslage der Versandhändler (es gibt löbliche Ausnahmen!).

Fragt man als Verlag bei Buchhandlungen an, ob sie gern einmal eine Serie als Kommissionsware haben möchten, wird abgewunken. "Das passt nicht in unser Sortiment". Selbst der Hinweis, dass der Verlag das gesamte finanzielle Risiko trägt, bewegt den ach so freundlichen Buchhändler oft nicht dazu, der Neuerscheinung einen Platz auf dem Tisch einzuräumen, denn da muss ja Ken Follet liegen. Sicher, nicht alle Buchhändler sind so, aber viele. Zu viele, um für sich in Anspruch zu nehmen, wirklich eine Alternative zu den Versandhändlern zu bieten. Um noch einmal auf das rote Aufmerksamkeitsbildchen oben zurück zu kommen: Dass Buchhändler ihren Kunden die Bücher über Nacht liefern, darf man wohl getrost als Wunschvorstellung abtun. Einfach mal den "Buchhändler vor Ort" danach fragen, ob er kostenlos über Nacht liefert.

Wer Autoren und kleine Verlage wirklich unterstützen will, der sollte Printware und E-Books DIREKT BEIM VERLAG kaufen! Damit ist sichergestellt, dass Verlage und Autoren für ihre Tätigkeit angemessen entlohnt werden und dass der Verlag genug finanzielle "Puste" besitzt, auch einmal etwas Neues zu wagen, unbekannte Autoren zu fördern und Kleinauflagen zu produzieren.

verlagsbestellung

Der VERLAG AHA freut sich über jede Direktbestellung von Lesern und wird stets bemüht sein, schnell und zuverlässig zu liefern. Das Aufmerksamkeitsbild oben ("Verlagsbestellung") darf gern gespeichert und z.B. in sozialen Netzwerken verbreitet werden.



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